Gleichnisse und Spiritualität
Gleichnisse und Spiritualität
Arbeiter im Weinberg
Arbeiter im Weinberg

PRACTICE OF THE PRESENCE OF
GOD THE BEST RULE OF A HOLY LIFE
Conversations and Letters by Brother Lawrence

Tageslauf, Jahreslauf und den Lauf der Seele, die sich öffnet für die barmherzige Liebe Gottes, beschreibt Tersteegen in seinen Liedern.

Beispiele: Pfingsten,  Morgenlied, Gottes Gegenwart, Ermunterung der Pilger,

Gottes Güte. 

 

dieser Link führt zu einem der bekanntesten

Lieder " Ich bete an die Macht der Liebe"

https://www.youtube.com/watch?v=Ol98zhJXa9o

Wie wir lernen, nicht aus dem falschen, sondern aus dem wahren Selbst zu leben, zeigt der Psychiater Dr. Checkley am Beispiel von Bruder Lorenz.

Das Tersteegenhaus in Mülheim, war die ehemalige Wirkungsstätte von Gerhard Tersteegen 

http://heimatmuseum-tersteegenhaus.de/

Werden, wachsen, schöpfen - der Leib und seine Glieder

Denn wie wir an dem einen Leib viele Glieder haben aber nicht alle Glieder denselben Dienst leisten, so sind wir, die vielen, ein Leib in Christus, als einzelne aber sind wir Glieder, die zueinander gehören (Röm. 12,4-5)

 

Zuerst verstehe ich dieses Gleichnis als Bild für die unterschiedlichen Gaben in einer christlichen Gemeinde. Die Verschiedenen Gaben, die wechselseitige Wertschätzung erfahren, erfüllen ihren Dienst erst durch ihre Einheit im Glauben an Jesus Christus zu wahrer Gemeinschaft, dem „Leib Christi“.
Jesus ruft ausdrücklich dazu auf „eins zu sein“. Damit meint er zuerst die Vereinigung mit Gott, dem Vater. Dadurch wird die Kraft, der Heilige Geist im sog. „Leib Christi“ wirksam. Die Kraft der Liebe erreicht in der Gemeinschaft durch Christus ihre höchste Sinnhaftigkeit. Wie dies in der Praxis aussehen kann wird z. B. von James Mallon beschrieben („Wenn Gott sein Haus saniert“,

D & D Medien GmbH, 2017).

 

„ICH BIN das Leben“ sagte Jesus. Das Grundprinzip des Lebens, nennen wir sie einmal die DNA des menschlichen Lebens, wirkt, schöpft und wächst nur durch die Vereinigung der unzähligen Aufgaben. Genau dies trifft eben nicht nur auf alles Sichtbare, sondern auch auf alle Bereiche des Seelischen und Geistigen zu. Erlebbar wird dies dann im Zusammenleben fruchtbarer, christlicher Gemeinschaften.

 

Fruchtbarkeit durch Vereinigung und entstehen von immer neuem Leben ist ein Grundprinzip der Schöpfung und Evolution. Sie lehrt uns, dass dieses Grundprinzip bereits bei den Elementen beginnt, was inzwischen auch durch die Molekularbiologie und Quantenphysik belegt ist. TdC beschreibt diese Lebensprozesse beginnend in der Geosphäre, über die Biosphäre bis hin zu sog. Noosphäre, also der geistigen, „christischen“ Dimension ( Teilhard de Chardin, Das Christische in der Evolution, Patmos-Verlag 2018).

 

Ohne Vereinigung der Elemente keine Evolution. Dieses Grundprinzip kann auch in vielen Lebensbereichen beobachtet werden. Ohne ein Zusammenwirken verschiedenster Lebensbereiche keine Entwicklung. Im weitesten Sinne trifft dies auch auf unser gesamtes Ökosystem zu. Zusammendenken – holistisch denken, sollte deshalb auch ein Prinzip der verschiedenen Wissenschaften sein. Nehmen wir z. B. die Heilkunde. Psychologie ohne Medizin, Medizin ohne Psychologie oder Pharmakologie, erfüllen beispielsweise den Anspruch von ganzheitlicher Therapie nicht, denn damit wären ja nur die leiblichen und seelischen Bedürfnisse des Menschen angesprochen.

Die Wissenschaften des Körpers und der Seele bedürfen darüber hinaus, um der Ganzheitlichkeit Willen, der geistlichen Dimension. Viktor E. Frankl (1905 – 1997) erweiterte z. B. in seiner Logotherapie die Psychotherapie um die Komponente Nous/Geist zu einer triadischen Struktur – Körper, Seele und Geist.

 

Der Geist des Menschen findet seinen Ausdruck u. a. in der christlichen Spiritualität. Verschiedene Wege zur Vereinigung mit Gott scheinen dabei miteinander zu konkurrieren.

Der klassische Weg der verschiedenen Mystiker und Heiligen lehrt die Vereinigung mit Gott durch Weltverneinung. Die meisten bekannten MystikerInnen fühlten sich berufen in der Einsamkeit von Klöstern, abgeschieden von der Welt, Gott zu suchen und Zeugnis abzulegen.

Viele andere Christen, wie z.B. Albert Schweitzer, Mutter Theresa, Adolf Kolping, Johann Christoph Blumhardt usw. (s. Arbeiter Beispiele), haben in der Gegenwart Gottes auf ihre Weise fruchtbar und bereichernd in unsere Welt hineingewirkt.

Gott selbst wirkt durch die Natur im Menschen; er lädt den Menschen zur Kooperation in der immerwährenden Schöpfung ein. Wir glaubten vielleicht, die Schöpfung sei seit langem beendet. Irrtum, sie geht in vollem Schwung weiter, und zwar in den höchsten Bereichen der Welt. Im Dienst der Vollendung der Schöpfung stehen wir, selbst durch die demütigste Arbeit unserer Hände. Das ist letzten Endes der Sinn und Wert unseres Tuns. Diese Haltung steht in auffallendem Gegensatz zu einer Haltung der Weltverneinung, ja Weltverachtung, die auch innerhalb der christlichen Spiritualitätsgeschichte oft vorherrschend war. Teilhard hingegen warnt vor übertriebenen Interpretationen des berühmten Satzes „mein Reich ist nicht von dieser Welt“ und fordert statt dessen eine Spiritualität der menschlichen Arbeit (s. a. Bruder Lorenz). Ich glaube nicht zu übertreiben, wenn ich sage, für neun Zehntel der praktizierenden Christen bleibt die menschliche Arbeit im Zustand geistlichen Sperrguts (TdC in Energie Liebe, Raimund Badelt, Echter-Verlag).

 

Wenden wir das Grundprinzip der Vereinigung auch auf die Mystik, also den innigen Weg mit Gott an, dürften beide Wege ihre Berechtigung haben und sich ergänzen, denn die „christische Evolution“ (s. Teilhard de Chardin), gegründet in der Vereinigung von Gott Vater und Jesus Christus, hat beide Wege hervor gebracht. Man kann also z. B. dem Lebenswerk eines Albert Schweitzer nicht absprechen, ein inniges Leben in Jesus Christus geführt zu haben. Gerhard Tersteegen und viele Andere, mit Ihrem inneren Drang zur Abgeschiedenheit, haben auf andere, vielfältige Weise die Hingabe an Gott und die Menschen gelebt.


„ In einem Brief äußert sich z.B. Gerhard Tersteegen  über die Mystik, das Sein in der Gegenwart Gottes: Ganz für Gott sein, ist das wahre Geheimnis des inwendigen (mystischen) Lebens, wovon sich die Leute so seltsame und fürchterliche Bilder machen. Und so leben wir, wenn Christus unser Leben wird. Es ist der uralte, wahre Gottesdienst, das christliche Leben in seiner Schönheit und eigentlichen Gestalt. Recht innige Seelen machen keine besondere Sekte“ (Weg der Wahrheit, Von der wahren Mystik ).

Deshalb scheint es mir wichtig zu erkennen, dass die Begabung den Lebensweg weist. Da Menschen gerne über bessere oder weniger gute Gaben urteilen, fügt Paulus in seinem Bild von den Gliedern an dem einen Leib hinzu:

...gerade die schwächer scheinenden Glieder des Leibes sind unentbehrlich. Denen, die wir für weniger Edel ansehen, erweisen wir um so mehr Ehre, und unseren weniger anständigen Gliedern begegnen wir mit mehr Anstand, während die anständigen das nicht nötig haben. Gott aber hat den Leib so zusammengefügt, dass er dem geringsten Glied mehr Ehre zukommen ließ, damit im Leib kein Zwiespalt entstehe, sondern alle Glieder einträchtig füreinander sorgen. Wenn darum ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit, wenn ein Glied geehrt wird, freuen sich alle anderen mit ihm“ Jerusalemer Bibel, 1.Kor. 12/2-26).

 

So sind wir, die vielen, ein Leib in Christus, als einzelne aber sind wir Glieder, die zueinander gehören (Röm. 12,5, Neue Jerusalemer).

 


 

 

 

 

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© Siegfried Martin