Arbeiter im Weinberg
Arbeiter im Weinberg

Tageslauf, Jahreslauf und den Lauf der Seele, die sich öffnet für die barmherzige Liebe Gottes, beschreibt Tersteegen in seinen Liedern.

Beispiele: Herbst, Sommer,, Gottes Gegenwart, Ermunterung der Pilger, Morgenlied , Gottes Güte. 

 

dieser Link führt zu einem der bekanntesten

Lieder " Ich bete an die Macht der Liebe"

https://www.youtube.com/watch?v=Ol98zhJXa9o

PRACTICE OF THE PRESENCE OF
GOD THE BEST RULE OF A HOLY LIFE
Conversations and Letters by Brother Lawrence

Konfessionen - Glaubensbekenntnis

Beispiel aus Tersteegen's  Briefen

Wie wir lernen, nicht aus dem falschen, sondern aus dem wahren Selbst zu leben, zeigt der Psychiater Dr. Checkley am Beispiel von Bruder Lorenz.

Eine Erweckungsrede G. Tersteegens  zur Passionszeit aus "Geistliche Brosamen" Band I.

 

Das Tersteegenhaus in Mülheim, war die ehemalige Wirkungsstätte von Gerhard Tersteegen 

http://heimatmuseum-tersteegenhaus.de/

 

Gerhard Tersteegen -  Geistliche Lieder  "Geistliches Blumengärtlein inniger Seelen" 13.Auflage Elberfeld 1826

 

gesamtes Liedregister

 

Beispiele aus der Liedersammlung:

 

 

Nr. 103  Christliche Herbstgedanken /Erntedank

 

Wo bleibt die Pracht sonst grüner Bäume,

so mancher schönen Blumen Zier?

Und wo im Tod der Narren Träume,

wer will, such seinen Himmel hier.

Mein, unverwelklich, schöner Garten

steht schon im Blüh'n, ich kann ja warten.

 

2.

Merk', Seel, was nackte Bäume lehren,

und jetzt im Herbst das kahle Feld;

laß dich kein´n Schein noch Traum betören,

gar nichts besteht in dieser Welt.

Such nackt ein ewig himmlisch Leben,

das Jesu Einfluß nur kann geben.

 

3.

Dir , Gott, sei Dank, daß wir gesehen,

Dein anmutsvolles Frühlingslicht,

daß du uns auch, zum Leibs Bestehen,

gabst reichlich manche Sommerfrücht'.

Jetzt fallen alle Blätter nieder,

und geben dir ihr Schönes wieder.

 

4.

Mein's Lebens eitle Frühlingsjahre,

mein munt'rer Sommer ist auch hin,

ich weiß, und fühle und erfahre,

daß ich im Herbst mein's Lebens bin.

Ich fall auch, wie die Blätter nieder,

und geb dir Kraft und Schönheit wieder.

 

5.

Gott gab's, Gott nahm's, ihn will ich ehren,

Du Gott bist nur beständig schön,

mein gnugsam's Heil, mein ganz Begehren,

mein Nichts, mein Staub, soll Dich erhöhen.

Gibst Du mir einst die Ehrenkrone,

leg ich sie freudig dir zum Throne.

 

 

Nr. 99  Heiliges Sitzen im Felde  (wann geben Dir die Völker Preis)

                                                              Mel.: Wie schön leucht't uns der......

 

1.

Einmütig saß der Gläub'gen Schar,

erwartend, was verheißen war,

den Geist, das neue Leben;

So wart ich auch, bis mir's geschicht,

einmütig und auf Eins gericht't,

mit den'n, die dir ergeben.

Ach wann soll dann,

leer vom Meinen, voll vom Deinen,

Alles werden,

daß ich dir nur leb' auf Erden.

 

2.

Bei deiner Kinder heil'gem Rauch,

leg ich mein Andachts-Körnlein auch,

und seufz in Jesu Namen:

Dein heil'ge Glut mein Herz entzünd';

mich innig fest mit dir verbind',

in dir mit deinem Samen;

ein Herz, ein Schmerz,

ein Bestreben, dir zu leben,

sei in allen,

mach uns schön, dir zu gefallen.

 

3.

Du siehst mein Herze, wie ich bin;

ich geb dir's ein, ich geb dir's hin,

erwartend dein Beleben:

Die Sonn' erwärmet dieses Rund,

du bist mir näher noch im Grund,

Licht, Kraft und all's zu geben:

Wälder, Felder,

Schönheit bringen, Vögel singen,

laß' im Dürren

dann dein Täublein nicht stets girren.

 

4.

Mein Innres sei dein Paradies,

das deinen Einfluß stets genieß,

und dir zu Ehren grüne.

Das monatlich dir Früchte bring'

drin ich dir schöne Lieder sing',

dich bei mir hab', dir diene:

Da ruht sich's gut.

Blumen, Blätter, Sommerwetter,

bald vergehen,

Innres (himmlisch) schön, bleibt ewig stehen.

 

 

5.

Wann grünt dein ganzer Erdenkreis!

Wann geben dir die Völker Preis,

und werden untertänig!

Wann wirst du groß in mir und all'n,

daß, die du schufst, zu Fuß dir fall'n

und schrein: Der Herr ist König!

Gieße süße

Geisteskräfte, Lebenssäfte,

in mich Schwachen,

bis du alles neu wirst machen.

 

6.

Bin ich hier ausgewurzelt ganz,

mich dort ins Padadies verpflanz',

zum eng(e)lischen Spazieren;

da man nicht Dorn noch Unkraut sieht,

da Liebe, Freud' und Friede blüht,

und seligs Jubilieren.

Kinder, Sünder,

lernt euch bücken, lernt euch schicken,

wie wir müssen:

Gott und Ewig wird's versüßen.

 

 

 

 

Jesus am Stamme des Kreuzes     Melodie: Sieh, hier bin ich, Ehrenkönig… (9 von 13 Verse)

 

1.
Setze dich, mein Geist, ein wenig,

und beschau dies Wunder groß;

wie dein Gott und Ehrenkönig

hängt am Kreuze, nackt und bloß.

Schau die Liebe, die ihn triebe,

zu dir aus des Vaters Schoß.

 

2.

Ob dich Jesus liebt von Herzen,

kannst du hier am Kreuze sehn,

schau, wie alle Höllenschmerzen

ihm bis in die Seele gehen.

Fluch und Schrecken, ihn bedecken,

höre doch sein Klagetön!

 

3.

Seine Seel‘, von Gott verlassen,

ist betrübt bis in den Tod;

und sein Leib hängt gleichermaßen,

voller Wunden, Blut und Kot.

Alle Kräfte, alle Säfte,

sind erschöpft in höchster Not.

 

4.

Dies sind meiner Sünden Früchte,

die, mein Heiland, ängsten dich;

dieser Leiden schwer Gewichte,

sollt zum Abgrund drücken mich.

Diese Nöte, die dich töten,

sollt‘ ich fühlen ewiglich.

 

 

5.

Doch, du hast für mich besieget,

Sünde, Tod und Höllenmacht;

Du hast Gottes Recht vergnüget,

seinen Willen ganz vollbracht;

und mir eben, zu dem Leben,

durch ein Sterben Bahn gemacht.

 

6.

Ach ich Sündenwurm der Erden!

Jesu, stirbst du mir zu gut?

Soll dein Feind erlöset werden,

durch dein eigen Herzensblut?

Ich muss schweigen, und mich beugen,

für dies unverdiente Gut.

 

7.

Dir will ich, durch deine Gnade,

bleiben bis in Tod getreu;

alle Leiden, Schand und Schade,

sollen mich nicht machen scheu,

deinen Willen zu erfüllen,

meiner Seele Speise sei.

 

8.

Laß in allen Leidenswegen,

deine Leiden stärken mich,

dass mein Leiden mir zum Segen,

mag gedeien  stetiglich;

dass mein Herze, auch im Schmerze,

ohne Wanken liebe dich.

 

9.

Jesu, nun ich will ergeben

Meinen Geist in deine Hand;

Laß mich dir alleine leben,

bis ich, nach dem Leidensstand,

bei Dir wohne, in der Krone

dich beschau im Vaterland. 

 

 

 

 

Nr. 80 Der selige Wandel in der Gegenwart Gottes

 

Großer Gott in dem ich schwebe, Menschenfreund, vor dem ich lebe,

höchstes Gut und Herr allein! Ich bet' an Dein Nahesein.

 

Den die Engel bückend sehen, und mit tausend Lob erhöhen,

da  Du sitzest auf dem Thron, Du bist hier auch nahe schon.

 

Gottes Haus und Himmelspforte, ist hier, und an jedem Orte;

Du bist nie und nirgend weit, ach, wo war ich sonst verstreut!

 

Sachen dieser Welt ich sah, und nicht Dich, der Du so nah',

draußen ging ich wie ein Tier; Du, mein Gott, du warst in mir.

 

Spät erkannt´ ich diese Lehre, diesen Adel, diese Ehre,

Deiner Gottheit Gegenwart, unverrückt und innig zart.

 

Sollt'  sich nicht mein alles beugen, und in Liebes-Ehrfurcht schweigen;

da ich, wo ich geh und steh, meinen Gott vor Augen seh.

 

Sei gelobet und geliebet, süßer Gott, der mich umgibet,

dass du mir in Jesu Christ, näher als mein Herze bist.

 

Laß sich andre sonst verstreuen, ich will mich in Gott erfreuen,

den ich habe, wo ich bin: Nimm mein Herz, o Schönster hin!

 

Ich will dies und das nicht wissen, Menschen Zuspruch gerne missen,

dass ich dir Gesellschaft leist, dich anbet' und schau im Geist.

 

Alles kann ich dir erzählen, darf mit keiner Last mich quälen;

Kann ich nicht mich selbst versteh'n, lass ich' s dich, den Nahen sehn.

 

Was ich denke und verrichte, ist vor deinem Angesichte;

Tun und Lassen, Freud und Pein, soll dir aufgeopfert sein.

.

Was ich bin (hab) von aus – und innen, was nur vorkommt meinen Sinnen,

wär' die Sache noch so klein, alles soll dein Opfer sein.

 

Bei Dir sei ich im Erwachen, mit dir tu'  ich meine Sachen,

in Dir man so sanfte ruht, ach mein Gott, und all mein Gut!

 

Mit Dir, treuer Freund und Leiter, reif ich fort und immer weiter,

stille, bloß und unbekannt, hier hindurch zum Vaterland.

 

So vor Gottes Augen schweben, das ist mir erst selig leben;

da man ohne Kunst und List, an Ihn denket, wo man ist.

 

Kommet dann, ihr lieben Kinder, kommet auch, ihr armen Sünder,

denkt an Welt, noch Sünd' noch Pein, nur an Gottes Nahesein.

                                               oder:

werfet eure Sünd` und Pein, in dies Meer der Liebe ein!

 

 

Nr. 29  Jauchzet, ihr Himmel..(1-8).... Melodie Lobet den Herren

 

1.

Jauchzet, ihr Himmel! Frohlocket, ihr Eng'lischen Chöre,

singet dem Herren, dem Heiland der Menschen, zu Ehren:

Sehet doch da! Gott will so freundlich und nah,

zu den Verlor'nen sich kehren.

 

2.

Jauchzet, ihr Himmel! Frohlocket, ihr Enden der Erden,

Gott und der Sünder, die sollen zu Freunden nun werden.

Friede und Freud, wird uns verkündiget heute:

Freuet euch, Hirten und Herden.

 

3.

Sehet dies Wunder, wie tief sich der Höchste hier beuget,

sehet die Liebe, die endlich als Liebe sich zeiget!

Gott wird ein Kind, träget und hebet die Sünd:

Alles anbetet und schweiget.

 

4.

Gott ist im Fleische, wer kann dies Geheimnis verstehen?

Hier ist die Pforte des Lebens nun offen zu sehen:

Gehet hinein, macht euch dem Kinde gemein,

die ihr zum Vater wollt gehen.

 

5.

Hast du dann, Höchster, auch meiner noch wollen gedenken?

Du willst dich selber, dein Herze der Liebe, mir schenken:

Sollt nicht mein Sinn, innigst sich freuen darin,

und sich in Demut ersenken?

 

7.

Süßer Immanuel, werd' auch geboren inwendig,

komm doch, mein Heiland, und laß mich nicht länger elendig,

wohne in mir, mach mich ganz eines mit Dir,

und mich belebe beständig.

 

 

 

 

Nr. 62   Ermunterung der Pilger      Melodie: Von Gott will ich nicht lassen.....

 

1.

Kommt Kinder, lasst uns gehen,

der Abend kommt herbei,

es ist gefährlich stehen,

in dieser Wüstenei.

Kommt, stärket euren Mut,

zur Ewigkeit zu wandern,

von einer Kraft zur andern,

es ist das Ende gut.

 

2.

Es soll uns nicht gereuen,

der schmale Pilgerpfad,

wir kennen ja den Treuen,

der uns gerufen hat.

Kommt, folgt und trauet dem,

ein jeder sein Gesichte,

mit ganzer Wendung richte,

steif nach Jerusalem.

 

5.

Man muss, wie Pilger wandeln,

frei, bloß, und wahrlich leer,

viel sammeln, halten, handeln,

macht unsern Gang nur schwer.

Wer will, der trag sich tot,

wir reisen abgeschieden,

mit wenigem zufrieden,

wir brauchen' s nur zur Not.

 

7.

Laßt uns nicht viel besehen,

das Kinderspiel am Weg,

durch säumen und durch stehen,

wird man verstrickt und träg'.

Es geht uns all nicht an,

nur fort, durch dick und dünne,

kehr ein die leichten Sinne,

es ist so bald getan.

 

8.

Ist gleich der Weg was enge,

so einsam, krumm und schlecht,

der Dornen in der Menge,

und manches Kreuzchen trägt.

Es ist doch nur ein Weg,

lass sein! wir gehen weiter,

wir folgen unser'm Leiter,

und brechen durchs Gehäg.

 

9.

Was wir hier hör' n und sehen,

das hör' n und sehn wir kaum,

wir lassen' s da, und gehen,

es irret uns kein Traum.

Wir gehn ins Ew' ge ein;

mit Gott muss unser Handel,

im Himmel unser Wandel,

und Herz und Alles sein.

 

10.

Wir wandeln eingekehret,

veracht'  und unbekannt,

man siehet, kennt und höret,

uns kaum im fremden Land.

Und Höret man uns ja,

so höret man uns singen,

von unsern großen Dingen,

die auf uns warten da.

 

11.

Kommt, Kinder, lasst uns gehen,

der Vater gehet mit,

er selbst will bei uns stehen,

in jedem sauren Tritt.

Er will uns machen Mut,

mit süßen Sonnenblicken,

uns locken und erquicken,

ach ja, wir haben's gut.

 

12.

Ein jeder munter eile,

wir sind vom Ziel noch fern,

schaut auf die Feuersäule,

die Gegenwart des Herrn.

Das Aug' nur eingekehret,

da uns die Liebe winket,

und den, der folgt und sinket,

den wahren Ausgang lehrt.

 

13.

Des süßen Lammes Wesen,

wird uns da eingedrückt,

man kann' s am Wandel lesen,

wie kindlich, wie gebückt.

Wie sanft, gerad und still,

die Lämmer vor sich sehen,

und, ohne Forschen, gehen,

so wie ihr Hirte will.

 

14.

Kommt, Kinder, lasst uns wandern,

wir gehen Hand in Hand,

eins freuet sich am andern,

in diesem wilden Land.

Kommt, lasst uns kindlich sein,

uns auf dem Weg nicht streiten,

die Engel uns begleiten,

als unsere Brüderlein.

 

15.

Sollt wo ein Schwacher fallen,

so greif' der Stärkere zu,

man trag, man helfe allen,

man pflanze Lieb und Ruh.

Kommt, bindet fester an,

ein jeder sei der Kleinste,

doch auch wohl gern'  der Reinste,

auf uns' rer Liebesbahn.

 

16.

Kommt, lasst uns munter wandern,

der Weg kürzt immer ab,

ein Tag der folgt dem Ander'n,

bald fällt das Fleisch ins Grab,.

Nur noch ein wenig Mut,

nur noch ein wenig treuer,

von allen Dingen freier,

gewandt' zum ew' gen Gut!

 

17.

Es wird nicht lang mehr währen,

halt' t noch ein wenig aus,

es wird nicht lang mehr währen,

so kommen wir nach Haus' .

Da wird man ewig ruhn' ,

wann wir, mit allen Frommen,

daheim beim Vater kommen;

wie wohl, wie wohl wird' s tun.

 

 

18.

Drauf wollen wir' s dann wagen,

es ist wohl wagenswert,

und gründlich dem absagen,

was aufhält und beschwert.

Welt, du bist uns zu klein,

wir geh' n durch Jesu Leiten,

hin in die Ewigkeiten,

es soll nur Jesus sein.

 

19.

O Freund, den wir erlesen,

0 allvergnügend gut,

0 ewig bleibend Wesen,

wie reizest du den Mut.

Wir freuen uns in Dir,

Du, unsere Wonn'  und Leben,

worin wir ewig schweben,

Du, unsre ganze Zier.

 

 

Morgengebet (Lied-Nr. 107)  Melodie: Wo soll ich fliehen hin…..

 

Mein'n ersten Augenblick

Ich Dir, Herr Jesu, schick;

Mein Geist vor dir sich beuget,

Mein Herz in dich sich neiget;

Mein Heiland, mich umfasse,

und ewig mich nicht lasse.

 

Bleib Du mir innig nah,

Du bis die Liebe ja;

Dir will ich mich verschreiben,

auch heut` Dir treu zu bleiben;

In Deinem Jesus Namen,

will ich aufstehen. Amen.

 

 

Nr. 52  Heute, weil ihr seine Stimme höret.   Melodie: Der Tag ist hin ,mein Jesu..

 

1.

Gott rufet noch; sollt' ich nicht endlich hören?

Wie laß' ich mich bezaubern und betören!

Die kurze Freud', die kurze Zeit, vergeht,

und meine Seel' noch so gefährlich steht.

 

2.

Gott rufet noch, sollt' ich nicht endlich kommen?

Ich hab so lang die treue Stimm vernommen;

ich wußt' es wohl, ich war nicht wie ich sollt',

er winkte mir, ich habe nicht gewollt.

 

3.

Gott rufet noch; wie daß ich mich nicht gebe!

Ich fürcht sein Joch', und doch in Banden lebe;

ich halte Gott und meine Seele auf;

er ziehet mich, mein armes Herze, lauf!

 

4.

Gott rufet noch; ob ich mein Ohr verstopfet;

er steht noch an meiner Tür und klopfet.

Er ist bereit, daß er mich noch empfang'

er wartet noch auf mich, wer weiß, wie lang?

 

5.

Gib dich, mein Herz, gib dich einst ganz gefangen,

wo willst du Trost, wo willst du Ruh erlangen?

Laß los! Brich' alle Band entzwei,

dein Geist wird sonst in Ewigkeit nicht frei.

 

6.

Gott locket mich, nun länger nicht verweilet!

Gott will mich ganz, nun länger nicht geteilet.

Fleisch, Welt, Vernunft, sag immer was du willst,

mein's Gottes Stimm' mir mehr, als deine gilt.

 

7.

Ich folge Gott, ich will ihn ganz vergnügen,

die Gnade soll im Herzen endlich siegen;

ich gebe mich, Gott soll hinfort allein,

und unbedingt, mein Herr und Meister sein.

 

8.

Ach nimm mich hin, du Langmut ohne Maße,

ergreif' mich wohl, daß ich dich nie verlasse;

Herr rede nur, ich geb begierig acht,

führ wie du willst, ich bin in deiner Macht.

 

 

 

 

Nr. 53  Abendlied  "ich schlafe, aber mein Herz wacht"

 

1.

Ach, könnt' ich stille sein, und sanft schlafen ein,

mein Gott, in deinem Frieden!

Drück' mir die Äuglein zu, so sinkt mein Geist zur Ruh,

von allem abgeschieden.

 

2.

Ach, daß ich stille wär ! Das Aug schaut hin und her,

und die Gedanken rasen;

Vernunft will spekuliern, die Sinne ausspaziern

der Wille ist nicht gelassen.

 

3.

So wacker, so zerstreut, ist meine Sinnlichkeit,

so quäl' ich mich beständig:

Es schlafe die Natur, mein Herze wache nur,

Dir, meinem Gott, inwendig.

 

4.

Dem, was sich draußen regt, ganz fremd und unbewegt,

als wär ich nicht im Leben;

nur Dir allein bekannt, Dir innig zugewandt,

und leidentlich ergeben.

 

5.

Geh, Welt, und Freude such: Ich hab hier Freude gnug',

ich darf nicht betteln gehn`:

Man schelte mich für dumm, für traurig und für stumm;

ich laß mein Herz nicht sehen.

 

6.

So heimlich und so bloß, kriech' ich in deinen Schoß,

da stillest Du mich Müden.

Da lieg ich wohl verwahrt, in deiner  Gegenwart,

und schlafe ganz mit Frieden.

 

 

 

 

 

Groß ist unser´s Gottes Güte   Lied-Nr. 38,  Melodie: Warum sollt` ich mich dann….

(Geistliche Seelsorge und Zeugnis Tersteegens)

1)

Groß ist unsers Gottes Güte,

seine Treu, täglich neu,

rühret mein Gemüte;

Sende, Herr den Geist von oben,

dass jetzt Herz und Mund,

deine Güte loben.

2)

Du hast meinem Leib gegeben,

für und für, mehr als mir

nötig war zum Leben;

meine Seel mit tausend Gnaden,

allerhand, Dir bekannt,

hast Du Herr beladen.

3)

Da ich, Herr, dich noch nicht kannte,

und in Sünd, tot und blind,

Dir den Rücken wandte;
da hast Du bewahrt mein Leben,

und mich nicht, dem Gericht,

nach Verdienst gegeben.

4)

Wenn ich damals wär gestorben,

ach mein Herr, ewig wär,

meine Seel`verdorben;

Du, du hast verschont in Gnaden,

und mich gar, immerdar,

nur zur Buß`geladen.

5)

Wenn ich gleich nicht hören wollte,

riefst Du doch, immer noch,

dass ich kommen sollte;

endlich hast Du überwunden,

endlich hat, Deine Gnad,

mich Verlor`nen funden.

6)

Endlich muss mein Herze brechen,

und allein, ohne Schein,

Dir das Ja-Wort sprechen;

O du sel`ge Gnadenstunde,

da ich mich, ewiglich,

meinem Gott verbunden.

7)

Da ich allem Sündenleben,

aller Freud, dieser Zeit,

Abschied hab gegeben;

da mein Geist zu Gottes Füßen,

sank dahin, und mein Sinn,

wollt`in Reu`zerfließen.

8)

Zwar, ich bin nicht treu geblieben,

wie ich sollt`, wie ich wollt`,

Dich allein zu lieben;

Aber Du bleibst ohne Wanken,

immer doch, Treue noch,

könnt`ich recht Dir danken!

9)

Sint hab ich so oft betrübet,

Deinen Geist, wie Du weißt,

Du hast doch geliebet;

Dass ich immer wieder kam,

und mein Schmerz, brach Dein Herz,

das mich in sich nahm.

10)

O, Du sorgest für mich Armen,

Tag und Nacht, hältst Du Wacht,

groß ist Dein Erbarmen;

lauf ich weg, Du holst mich wieder,

väterlich hältst Du mich,

wenn ich sinke nieder.

11)

Deine Güt`, die ewig währet,

hat mich oft, unverhofft,

in der Not erhöret;

0, wie oft hast Du mein Herze,

doch erlöst und getröst,

da ich lag im Schmerze!

12)

Deines Geistes Zug und Leiten,

spür ich ja, innig nah,

dass ich nicht soll gleiten;

wenn ich stille bin und merke,

geht er mir, tröstlich für,

stets bei allem Werke.

13)

Wenn ich oft im Dunkeln walle,

steht mir bei, Deine Treu,

dass ich dann nicht falle;

dass ich mich kann überlassen;

stille stehn, ohne Sehn,

meinen Gott umfassen.

14)

Du hast auch gezeigt mir Blinden,

wie man dich, innerlich,

kann im Herzen finden;

wie man beten muss und sterben,

wenn man will, werden still,

und Dein Reich ererben.

15)

Deine Güte muss ich loben,

die so treu, mir steht bei,

in so manchen Proben;

Dir hab ich es nur zu danken,

dass ich doch, stehe noch,

der so leicht kann wanken.

16)

Bald durch Kreuz, und bald durch Freuden,

hast Du mich, wunderlich,

immer wollen leiten;

Herr ich preise Deine Wege,

Deinen Rat, Deine Gnad,

Deine Liebesschläge.

17)

0, wie groß ist Deine Güte,

Deine Treu, immer neu,

preiset mein Gemüte;

ach ich muss, ich muss dich lieben,

Seel und Leib, ewig bleib,

deinem Dienst verschrieben.

18)

Mög`t Dich alle Welt erkennen,

und mit mir, danken Dir,

und in Liebe brennen;

Deine Güte lass` mich loben,

hier auf Erd, bis ich werd`,

tun vollkommen droben.