Arbeiter im Weinberg
Arbeiter im Weinberg

Tageslauf, Jahreslauf und den Lauf der Seele, die sich öffnet für die barmherzige Liebe Gottes, beschreibt Tersteegen in seinen Liedern.

Beispiele: Erntedank, Gottes Gegenwart, Ermunterung der Pilger, Morgenlied , Gottes Güte. 

 

dieser Link führt zu einem der bekanntesten

Lieder " Ich bete an die Macht der Liebe"

https://www.youtube.com/watch?v=Ol98zhJXa9o

PRACTICE OF THE PRESENCE OF
GOD THE BEST RULE OF A HOLY LIFE
Conversations and Letters by Brother Lawrence

Konfessionen - Glaubensbekenntnis

Beispiel aus Tersteegen's  Briefen

Wie wir lernen, nicht aus dem falschen, sondern aus dem wahren Selbst zu leben, zeigt der Psychiater Dr. Checkley am Beispiel von Bruder Lorenz.

Eine Erweckungsrede G. Tersteegens  zur Passionszeit aus "Geistliche Brosamen" Band I.

 

Das Tersteegenhaus in Mülheim, war die ehemalige Wirkungsstätte von Gerhard Tersteegen 

http://heimatmuseum-tersteegenhaus.de/

Der köstliche Weg der wahren Liebe                      

aus" Weg der Wahrheit" v. G. Tersteegen

 

Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Gott und Gott in ihm.       (Johannes 4,16)

 

Nichts ist schöner, lauterer, anmutiger, mächtiger und vollkommener als die Liebe. Denn Gott ist Liebe. Durch kein Mittel kann sich Gott des menschlichen Herzens besser bemächtigen, als durch die Liebe. Und durch kein Ding kann der Mensch Gott besser gefallen, als durch die Liebe, denn sie ist des Gesetzes Erfüllung.

Was durch alle Strenge des Gesetzes und durch alle Furcht der Strafe nicht bei dem Menschen ausgerichtet werden kann, das alles ist und wird leicht gewonnen, wo Gott dem Menschen seine Liebe in Christus Jesus anpreist, wo er ihm die Vergebung seiner Sünden, Erlösung und ewiges Heil ankündigt und ihn aus solchem Grunde zu Buße und Gegenliebe anlockt.

Gleichwie nun die Liebe Gottes in dem süßen Namen Jesus dem abgewichenen Menschen wiederum eröffnet ist und nach jedem Sünder verlangt, also ist diese ewige Liebe auch im Grunde unserer Seelen stets geschäftig, sich uns anzubieten und anzupreisen und auf tausend Arten sich bei uns einen Eingang zu suchen, zu unserer ewigen Glückseligkeit. Alle im menschlichen Herzen aufsteigenden guten Gedanken und Begierden; Traurigkeit und Wehmut über seine Sünden, Bestrafung und Zurechtweisung, Reizung zum Gebet, zur wahren Gottseligkeit, und gründlichen Übergabe an Gott und dergleichen mehr, sind lauter Auswirkungen dieser langmütigen Gottesliebe. Könnte es der ruchloseste Sünder nur zum tausendsten Teil erkennen, er würde sich sofort dieser Liebe ergeben müssen.

Ja, Liebe, zeige dich auch nur von ferne den Sündern, dass du Liebe seist, so werden sie dich alle lieben und dir folgen!

Geschieht nun dieses, dass sich nämlich der Mensch durch Gottes Güte und Liebe zu Buße ziehen lässt, so glaube er's doch hinfort ohne Bedenken, dass auch er durch keinerlei Werk oder Übung Gott besser und leichter gefallen könne, als durch Liebe.

Er bewahre und pflege nur wohl das verborgene Fünklein der Liebe Gottes in seinem Herzen, durch herzliches Andenken an Gott, kindliche Zukehr zu Gott und Beschäftigung mit Gott und dessen Vollkommenheiten.

Er übe sich in der Liebe. Aus Liebe zu Gott gebe er sich selbst und sein Liebstes daran und überlasse sich im Glauben dieser reinen Liebe.

Er erfreue sich, wenn er eine gute Gelegenheit hat, etwas zu tun, zu verleugnen oder zu leiden, diesem Gott zu Liebe und Ehre.

Er gewöhne sich daran, alles was er tut, aus Liebe zu diesem Gott zu tun; alles was ihm begegnet, in Liebe von diesem Gott anzunehmen; alles, was er zu leiden hat, in Liebe um dieses Gottes willen zu ertragen.

Alles muss durch die Liebe der Liebe geopfert werden.

Durch die Liebe werden die bittersten Leiden süß, die wunderlichsten Begebenheiten gut, die kleinsten Werke groß und göttlich.

Da denke man aber nun nicht, an eine stets nur erquickende Liebe; Liebe haben und Liebe fühlen ist nicht allezeit beisammen.

Die wahre und beständige Liebe besteht in einer innigen Hochachtung vor Gott, dass wir ihn als höchst, ja, allein liebenswürdig durch den Glauben erkennen und daher uns selbst und was in unserer Nacht ist, ganz diesem Gott willig aufopfern und überlassen zu seinem Dienst und seiner Ehre.

Diese Liebe, die der Heilige Geist in unsere Herzen ausgießt, kann bestehen auch mitten in aller Dürre, Dunkelheit und in tiefsten Läuterungswegen, die eben nichts anderes sind, als selige Wirkungen der reinen Liebe Gottes.

Völlige Überlassung an die Liebe.

Fürwahr, wenn ein Sünder zu der edlen Tat der reinen Liebe gelangen möchte, dass er mit gründlicher Verlassung und Dreingabe seiner selbst sich wahrhaftig Gott überließe und ihm Vollmacht gäbe, in Zeit und Ewigkeit mit ihm zu machen, was er immer wollte, nicht achtend oder ansehend sein Weh oder sein Wohl, sondern bloß Gott, und dass er nur möchte geehrt, geliebt und vergnügt werden: über einen solchen würde Zorn und Hölle keine Macht mehr haben, sondern seine Sünden, wenn sie auch noch so groß wären, würden eher vergeben und verzehrt sein, als ein bisschen Flachs in einem glühenden Ofen; ja, diese Liebe würde ihn heilig und göttlich machen.

Nun sind wir zwar nach unserer angeborenen Art ganz gewurzelt in der sündigen Eigenliebe und durch diese so gekrümmt, dass wir Gott nicht ansehen, lieben und vertrauen können. Es muss und will uns aber der Sohn Gottes selbst, durch seinen Heiligen Geist, diese Liebe in unsere Herzen ausgießen, nachdem er in seiner Menschheit unsere Sünden auf sich genommen und durch eben diese reine Liebe uns wieder mit Gott völlig ausgesöhnt hat.

Mit einer solchen Liebe Gott dienen, das heißt erst eigentlich Christentum. Daher ist sehr zu bedauern, dass auch fromme Menschen lange (wo nicht gar ihr Leben lang) zögern, in dem ängstlichen Beschäftigen mit sich selbst und Sorgen für sich selbst, ohne dass sie einmal ihre eigenen Absichten darangeben, sich Gott anvertrauen und nur reine Liebe suchen in dem Herzen und Angesichte Jesu Christi.

Ach lasst uns ihn lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.

O du unendliche Liebe, o anbetungswürdige Dreieinigkeit – Vater, Urquell der Liebe – Sohn, liebevolles Licht – Heiliger Geist, lebendige Flamme und heilige Brunst der Liebe; o Gott, der du lauter reine Liebe bist, du bist ein brennendes und verzehrendes Feuer, das alles verzehren muss, was in der reinen Liebe nicht bestehen kann. Ach, verbrenne in uns durch dein anbetungswürdiges Feuer alles, was deiner Heiligkeit zuwider ist. Fange an, setze fort und vollende allhier in unseren Seelen das große Werk der Reinigung und der Heiligung, ohne die niemand dein Angesicht sehen kann.

Verleihe uns, o Herr, ein wenig von deiner brünstigen und erquickenden Liebe, um uns aufzuwecken und unserer Unempfindlichkeit und tödlichen Schlafsucht; und gib uns ein wenig Schrecken vor deinen entsetzlichen Gerichten, damit wir beizeiten den Irrweg verlassen.

Schütte in unsere Herzen aus ein Tröpflein von deiner so mächtigen Liebe, die die Hölle in ein Paradies verwandeln kann. Ja, Herr, zünde bald dieses Feuer an auf dem Erdboden, das anzuzünden du gekommen bist, und wonach du so sehr verlangst, dass es abermals zu brennen anfange; damit das Reich deiner Liebe auf ewig gegründet werde, und wir in dir seien in Einigkeit der Herzen, der Seelen, der Werke und der Zungen, ein Geist mit Gott, dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist, hoch gepriesen in Ewigkeit! Amen.

 Von der Bruderliebe.

Aus der Liebe Gottes schöpfen wir die wahre Liebe gegen die Brüder, ja, auch die Liebe zu allen Menschen. Es ist das eine so wenig als das andere eine Sache, die man lehren und lernen oder selbst machen kann: beides ist eine Frucht und Eigenschaft der neuen Geburt aus Gott, wodurch wir dem finsteren, grimmigen Element entkommen, hingegen in das Reich des Sohnes der Liebe versetzt und mit den wonnesamen süßen Liebeskräften aus dem Herzen Gottes immer mehr durchdrungen werden.

In der alten Geburt kann wohl so eine weibische Zärtlichkeit, sinnliches Schmeicheln und selbstliebige Gefälligkeit gegen solche, die uns gefallen und die sich uns gefällig zeigen, stattfinden; aber die unlautere Natur und Eigenheit steckt überall darunter, und man bleibt, bei allem Schein der Liebe, im Grunde ein Kind es Zornes, das eigentlich nichts liebt, als sich selbst, und beides: Gott und den Nächsten nur mit Absicht auf sich selbst.

Daher entsteht die immerwährende geheime Unruhe, Verdruss, Argwohn, Neid, Eifersucht und tausend andere herbe Kräfte, die das arme Herz stören und ängstigen, da es ihm bald dieser, bald jener nicht nach seinem eigenen Willen und hochmütigen Sinn recht machen kann.

Darum sollen wir aus allem solchem Naturjammer hinaushungern in die geoffenbarte sanfte Liebe Jesu, wie uns ja dieses ewig liebende Gut unaussprechlich nahe ist und durch seinen Liebesgeist gern zu einem solchen Sehnen und Seufzen nach der Liebe bewegt. Seinen geheimen Zügen sollen wir uns kindlich ergeben, alle Eigenheit, alle hohen, herben und misstrauischen Kräfte gegen Gott und den Nächsten in die Liebe Christi versenken und in solchem demütigem Hungern und Warten nicht müde werden, bis die Liebe sich uns schenkt und uns mit ihren göttlichen Kräften durchdringt.

                                                           *****

Je mehr man sich nun durch die geheimen Züge der göttlichen Liebe in diesen Gott meinenden Sinn und Grund des Herzens einführen lässt und in der Liebe einfältig drinnen bleiben lernt, desto mehr saugt man wie ein Kindlein lauter unschuldiges zartes Liebesleben in sich ein, so dass immer mehr das Innerste vergnügt, ja, der ganze Mensch geschmeidig, lieblich, voller Liebe und in Liebe ausfließend wird.

Sodann erfährt man, dass die wahre Bruderliebe ein ungezwungenes, ungekünsteltes Wesen und Werk Gottes sei, ein feiner Trieb der neuen Schöpfung. In solchem Liebesgrund und Element kann einer den andern gar nahe finden, umfassen, segnen und genießen, zur Verherrlichung Gottes. Und weil man in und durch diesen Geist der Liebe Christi zu einem Leib getauft und zu einem Geist getränkt wird, so tut man einander wesentlich Handreichung, sowohl abwesend, als auch, wenn man in Jesu Namen beisammen ist.

Gleichwie diese lautere Bruderliebe aus der Liebe Gottes und in stiller Herzensinnigkeit entspringt, also steht sie auch der Liebe Gottes gar nicht im Wege, sondern befördert sie vielmehr. Sie lockt nicht heraus in die Natur und flatternde Sinnlichkeit, sondern sammelt und stillet das Gemüt und stärkt uns in dem Sinn, ganz für Gott zu sein.

Kurz, wo die Liebe im Herzen geboren ist, da beweisen ihre Früchte, dass sie rechter Art sei, und ihr ganzes Wesen und ihr Verhalten gegen den Nächsten wird eine lebendige Erklärung dessen, was Gottes Geist durch Paulus von ihr rühmt und wir hier folgen lassen (1.Kor.13):

 Paulus an die Korinther über die Liebe (1.Kor. 13)

 D i e  L i e b e  i s t   l a n g m ü t i g: Der Naturtrieb will es im Nu erzwingen oder ganz liegen lassen. Wird ein anderer nicht so geschwind nach seinem Sinn gebessert, so verwirft er das eine mit dem andern; kann einer sein Erkennen und Erinnern nicht so bald fassen und nachgeben, so lässt er ihn laufen. Die wahre Liebe aber ist langmütig; sie sieht eine Weile zu, sie stößt den Nächsten nicht vor den Kopf, sie kann lange arbeiten, lange dulden, lange warten, lange versuchen und versuchen, lange lieben und wieder lieben.

 S i e  i s t  m i l d  f r e u n d l i c h . So dass ihr bereitwilliges, holdes Wesen, ihre Worte und Liebesverrichtungen jedermann erfreuen und gütlich tun und offenbar zeigen, wie sie sich selbst und alles, was in ihrem Vermögen ist, andern zu brauchen und zu genießen dahin gebe.

 D i e  L i e b e  i s t  n i c h t   n e i d i s c h; Sondern sie gönnt es andern, so gern als sich selbst, dass sie etwas sind, etwas können, etwas haben und genießen, es sei nun etwas Leibliches oder etwas Geistliches. Und sie freut sich darüber so herzlich, als wenn sie es selbst wäre und zu genießen hätte.

 D i e  L i e b e  i s t  n i c h t  v e r w e g e n  i m  R i c h t e n  ü b e r  a n d e r e ; Sie ist nicht frech, mürrisch oder tückisch im Umgang mit andern, sonder offenherzig und bescheiden; was sie tut oder spricht, das geht von Herzen, aus einem gelinden und redlich meinenden Sinn.

 S i e  i s t   n i c h t  a u f g e b l a s e n; Sie fährt nicht stolz über andere her; sie will vielmehr andern nur dienen und unterworfen sein. Mit ihrem Tun will sie nicht gesehen sein oder vielen Dank dafür haben; ihr Trieb und ihre Absicht, warum sie liebt, ist Liebe; sie ist sich selbst Krone und Lohn. Darum denkt die Liebe immer, andere täten ihr zu viel, sie aber habe noch nichts oder wenig getan.

 S i e  s t e l l t  s i ch  n i c h t  u n g e b ä r d i g,  durch verdrießliches Bezeigen, wo andere nicht nach ihrem Sinn machen. Die Liebe ist wie ein Kindlein: es ist ihr leicht recht. Viel weniger beschämt sie durch ungeziemende Gebärden, Vorhaltung oder dergleichen den andern; sondern sie bückt und schickt sich gern in die Gebrechlichkeiten, Elendesten und Ärmsten, ohne sich ihrer zu schämen.

 D i e  L i e b e  s u c h t  n i c h t  d a s  I h r e, wie solches die Naturart immerdar auch in ihren besten Dingen tut; nein, die wahre Liebe sieht weder ihren Nutzen noch Ruhm, noch ihre Bequemlichkeit an; sie gibt solches alles hin. Wenn nur ein anderer etwas haben mag, wenn sie nur einem andern nützen, dienen, ihn erfreuen und ihm etwas zu Gefallen tun kann, so vergisst sie sich selbst. Sie ist vergnügt, wenn nur der, den sie liebt, vergnügt ist; dessen leibliche oder geistliche Glückseligkeit schätzt sie als ihre eigene.

 S i e  l ä ß t  s i c h  n i c h t  e r b i t t e r n, ob man ihr gleich manchmal ungebührlich begegnet, sie reizet und ihre Liebe und Gutes zum ärgsten deutet. Hat ein anderer Feuer, so hat sie Wasser genug in ihrem sanften Quellbrünnlein, jenes auszulöschen, durch bescheidenes, freundliches Begegnen, durch Schweigen und Gutes Tun. Auch über das Böse, das sie in andern sieht, wird sie nicht zum Zorn, sondern zum Mitleid bewegt.

S i e  b e r e c h n e t  da s  B ö s e  n i c h t. Sie ist nicht argwöhnisch, sie macht keine argen, lieblosen Schlüsse und Deutungen von einem andern: vielmehr entschuldigt sie ihn und deutet alles zum besten in Einfalt des Herzens, so viel sie immer kann. Was sie andern zuleide tut und was andere ihr Gutes tun, daran denkt sie; aber das Gute, das sie andern tut, und das Böse, das ihr andere antun, das rechnet sie nicht; das ist nichts, wie eine Null bei ihr; sie hat es auch ungefordert vergeben und vergessen.

 S i e  f r e u t  s i c h  n i c h t  d e r U n g e r e c h t i g k e i t,  wo etwa andere straucheln, damit sie so viel frömmer scheine. Sie sieht es nicht gern, sondern mit Wehmut, wenn andern Unrecht oder etwas zuleide geschieht. Ja, wo auch einer, der ihr zuwider ist oder von dem sie vorhin verurteilt worden, selbst sollte stolpern oder zu Schanden werden, so freut sie sich nicht darüber aus heimlicher Rache, sonder es schmerzt sie von Herzen.

D i e  L i e b e  f r e u t  s i c h  a b e r  ü b e r  d i e  W a h r h e i t,  wo diese emporkommt, es geschehe dies durch sie oder durch andere. Wenn sie viele Kinder sieht in der Wahrheit wandeln, wenn andere Tugend, Gottseligkeit und rechtschaffenes Wesen bekannt und gerühmt wird, darüber freut sie sich mit, sollte sie auch selbst deswegen vergessen und geringer geachtet werden. Sie liebt die Wahrheit, wo sie sie findet, wäre es auch in Widerwärtigkeiten.

S i e  d e c k t  a l l e s  z u. Die Natur deckt ihr eigenes Böses zu und schwätzt gern vom Nächsten. Die göttliche Liebe aber will nur das Gute in andern sehen; deren Elend und Schwachheiten deckt sie zu, sie entschuldigt solche möglichst bei sich selbst und bei andern in aller Einfalt; sie redet nicht gern davon, als nur, wo es zur Besserung sein muss. Das Gute ist ihr Ziel; deswegen heißt es:

D i e  L i e b e  g l a u b e t  a l l e s. Weil sie selbst gut, treu, aufrichtig ist, so glaubt sie auch gern vom andern das Beste; hört sie eine gute Nachricht vom Nächsten, da sucht sie nicht Zweifel, wie die arge Vernunft tut. Das Böse von andern glaubt sie nicht so leicht; da muss sie volle Gewissheit haben. Weil sie aber das Gute, und was Gott verherrlichen kann, liebt und wünscht, darum glaubt sie es auch gern.

S i e  h o f f t  a l l e s  und wirft nicht so bald die Hoffnung auf Besserung bei andern weg; sie betet und arbeitet in solcher Hoffnung, so viel sie kann. Sieht sie gleich das Böse vor sich, so hofft sie doch und denkt: Vielleicht ist es ihm schon leid, er hat wohl schon Buße getan oder er wird es noch tun; Gott kann ihm wohl wieder aufhelfen, er mag wohl noch besser werden als du bist, usw. Sie hofft, da nichts zu hoffen ist.

S i e  d u l d e t  a l l e s . Wird sie gleich über ihr alles Zudecken, alles Glauben, alles Hoffen und immer Lieben verlacht und gedrückt, so duldet sie das alles. Und was ihr sonst bei ihrer Arbeit der Liebe selbst von denen, die sie liebt, für Proben und Leiden aufgebürdet werden möchten, so wird sie doch nicht müde in ihrer Treue und Geduld, sollte es gleich lange währen; sie harrt aus bis ans Ende. Ja, sie ist im Leiden unüberwindlich und siegt auch endlich über alles gewiss.

Denn die Liebe fällt nimmer dahin und höret nimmer auf. Wo sollte sie auch hinfallen, da sie schon im tiefsten Grund der Demut unter allem liegt? Viel Gutes mag ein Mensch haben; hat er die Liebe nicht, so ist es nichts, es fällt dahin. Ja, viel Gutes muss auch bei Frommen wieder hinfallen, damit das Beste, nämlich die reine Liebe den Platz behalte. Diese Liebe verwelkt nicht, sie bleibt ewig, sie ist reines Gold, sie ist das Leben Gottes in der Seele, das durch den Heiligen Geist ins Herz eingeflößt wird.

 Wer nun in der Liebe bleibt, der bleibet in Gott und Gott in ihm, dass er nicht dahin fallen kann in Ewigkeit.

 

                        Strebt alle nach den besten Gaben;

                        Ich will nur reine Liebe haben;

                        Des Freundes Lieb meins Herzens Spiegel;

                        Die Bruderlieb meins Wandels Spiegel.